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Vertreibung von Roma aus dem Kosovo

Im 14. Jahrhundert ließen sich Roma-Gruppen nachweislich auf dem Balkan nieder. Urkunden des Zaren Dusan IV. erwähnen erstmals 1348 die Ankunft von Roma in Prizren. Um 1522 zählte der Zensus von Suleyman dem Prächtigen für Rumelien 16.591 steuerfähige Roma-Haushalte. In osmanischer Zeit, die bis 1912 dauerte, waren Roma ein wichtiger kultureller und wirtschaftlicher Faktor der Kosovo-Gesellschaft. Geschätzt wurden ihre handwerklichen Fertigkeiten, vor allem die Schmiedekunst. Viele waren derzeit Leibeigene osmanischer Grundherren.

Mit dem Aufstieg ethnisch-nationalistischer Bewegungen gerieten Roma zunehmend zwischen die Fronten von Albanern und Serben, die jeweils absolute Loyalität forderten. In den Balkankriegen 1912/1913 wurden muslimische Albaner von serbischen Propagandisten als Untermenschen dargestellt. Ziel der albanischen Nationalisten war ein „ethnisch reines“ großalbanisches Reich. Seitdem wurden Serben, Juden und Roma systematisch im Kosovo verfolgt, zunächst durch albanische Banden, „Balli Kombetar“, und im Verlauf des Zweiten Weltkriegs durch die SS-Division „Skanderberg“, die von Himmler aus albanischen Freiwilligen zusammengestellt wurde. Roma mussten Zwangsarbeit leisten und wurden ab 1943 nach Jasenovac, Buchenwald und Mauthausen deportiert.

Viele Kosovo-Roma unterstützten die Partisanen Titos im Kampf gegen die deutschen Besatzer. Den Familien getöteter Partisanen wurde eine Hinterbliebenenrente gezahlt. Sie erhielten ein Bleiberecht und der Staat bezuschusste ihren Hausbau.

Seit Anfang der 80er Jahre berichteten Journalisten (z.B. FAZ, New York Times, NZZ, etc.) von den Bestrebungen kosovo-albanischer Nationalisten für die ethnische Reinigung des Kosovo von allen nicht-albanischen Minderheiten. Nach 1989 spitzten sich die Konflikte zwischen Serben und Albanern weiter zu. So wurden verbindliche Lehrpläne auf Serbisch im Kosovo eingeführt. Diese wurden von den Albanern abgelehnt und im Gegenzug albanische Schulen errichtet. Lehrer, die bislang Kinder der verschiedenen ethnischen Gruppen gemeinsam unterrichtet hatten, mussten sich für eine Seite entscheiden. Besonders schwierig war die Situation für Roma-Kinder. Diesen wurde der Zugang zu albanischen Schulen verwehrt, wenn deren Eltern sich nicht an der separatistischen Bewegung beteiligten. In serbischen Schulen wurden sie zurückgestuft, weil sie nur albanisch sprachen.

Seit Juni 1999 wurden Roma und Aschkali in einem Ausmaß verfolgt, wie es Vergleichbares seit der Besetzung des Balkans durch die Deutsche Wehrmacht nicht mehr gegeben hatte. Über 80% der Roma wurden vertrieben und ihre Wohnhäuser wurden zerstört. So forderte die Akademie der Wissenschaften von Tirana im Mai 1999: „Die Albaner brauchen ihren ethnisch-reinen Staat“. Nach dem Sieg der Nato konnte die UCK ihr Ziel der „ethnischen Säuberung“ des Kosovo ungehindert umsetzen. Die UCK besetzte parallel zum Nato- Einmarsch alle Orte des Kosovo, zerstörte Siedlungen von Roma und anderen Minderheiten und vertrieb die Menschen.

Die Progrome der UCK waren massenhaften Plünderungen und Zerstörungen, denen die Kfor-Soldaten tatenlos zusahen. Bis März 2000 wurden ca. 15.000 Roma-Häuser zerstört. Nach der Vertreibung der Roma aus dem Kosovo wurden die verlassenen Häuser und Grundstücke von Albanern besetzt. Seit Juni 1999 wurden über 100.000 Roma aus dem Kosovo vertrieben. Viele Roma flohen in Flüchtlingslager nach Serbien, Montenegro und Mazedonien, nur 10 % der Flüchtlinge gelangten in westeuropäische Länder. Die humanitäre Situation in den Flüchtlingslagern auf dem Balkan war katastrophal: Wasser und Lebensmittel waren knapp und es fehlte an medizinischer Versorgung. Pogrome albanischer Nationalisten führten zu weiteren Flüchtlingswellen. Im Frühjahr 2004 ereigneten sich rassistische Übergriffe gegen Roma, die erneut massenhafte Vertreibungen und Auswanderungen nach sich zogen. Die Fluchtziele waren wiederum Länder der EU, aber auch Serbien und Montenegro.

Die Verbrechen an Roma im Jahr 1999 und danach sind bis heute nicht konsequent verfolgt worden. Enthüllungen über die Verstrickung des kosovarischen Regierungschefs Hashim Thaci in mafiöse Strukturen und Organhandel sind deutliche Belege für die korrupten Strukturen in der kosovarischen Regierung. Ermittlungen zufolge waren auch viele Roma Opfer des Organhandels. Nach der Unabhängigkeit des Kosovo konnten viele Angehörige der extremistischen Elite ranghohe Positionen in Politik, Wirtschaft und Polizei erlangen. Bis heute bestehen die von der UCK begründeten kriminellen Netzwerke, geschützt durch weit verbreitete Korruption und international einflussreiche Befehlshaber. Entsprechend katastrophal ist die humanitäre Lage von Roma und anderen Minderheiten bis heute im Kosovo.

LINK: Abgeschobene Roma im Kosovo_2014

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