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Rassistische Stimmungsmache gegen Roma. Aktueller Vorfall bei Göttingen

23. Mai 2026. Im Eichsfeld sorgte in den vergangenen Tagen eine Gruppe von Roma mit Wohnwagen für große öffentliche Aufmerksamkeit. Ausgangspunkt war jedoch nicht ein konkretes Fehlverhalten oder eine tatsächliche Gefahrenlage, sondern vor allem die Reaktionen von Behördenvertreter:innen, lokalen Akteur:innen und Teilen der Öffentlichkeit.

Besonders problematisch war ein Beitrag in der Orts-App der Gemeinde Teistungen, in dem sie zunächst mit dem Z-Wort bezeichnet wurden. Später wurde die rassistische Fremdbezeichnung zwar entfernt, die grundlegende Botschaft blieb jedoch bestehen: Die Gruppe wurde pauschal als Bedrohung dargestellt. Von „aggressivem Verhalten“, hohen Kosten und der Sorge, die Menschen könnten sich „festsetzen“, war die Rede – ohne konkrete Belege. Dadurch wurde ein klares Bild erzeugt: „Wir“ gegen „die“.

Dabei zeigte sich im Verlauf der Berichterstattung etwas anderes. Laut Polizei gab es keine strafrechtlich relevanten Vorfälle und keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Auch der Landwirt, auf dessen Fläche die Gruppe zeitweise stand, erklärte später ausdrücklich, die Menschen seien „nett und zuvorkommend“ gewesen und hätten die Wiese ordentlich hinterlassen.

Am Ende blieb vor allem eines zurück: öffentlicher Schaden für die Roma-Community.

Der Fall erinnert stark an die Berichterstattung rund um eine Roma-Gruppe im nordhessischen Hümme bei Hofgeismar vor wenigen Wochen. Auch dort entstand zunächst eine massive öffentliche Aufregung. Überschriften über „besetzten Sportplatz“, „Lärm und Schmutz“ oder angebliche Verwüstungen dominierten die lokale Berichterstattung.

Später relativierten sich die Vorwürfe deutlich. Die Darstellung wurde sachlicher, nachdem eine andere Journalistin die Situation erneut überprüfte und Stimmen vor Ort einbezogen wurden. Genau dieses Muster beobachten Roma-Organisationen seit Jahren: Zunächst werden Gerüchte gestreut, rassistische Zuschreibungen verbreitet und Ängste geschürt – erst danach folgt – manchmal – eine differenziertere Einordnung. Der Schaden für die Betroffenen ist zu diesem Zeitpunkt jedoch längst entstanden.

Die Verwendung des Z-Wortes ist dabei keineswegs ein „Ausrutscher“ oder bloß mangelnde Sensibilität. Der Begriff ist historisch eng mit der jahrhundertelangen Verfolgung von Roma und Sinti verbunden. Unter dieser Fremdbezeichnung wurden Menschen ausgegrenzt, kriminalisiert, verfolgt und ermordet.

Problematisch ist entsprechend nicht nur die Fremdbezeichnung selbst, sondern vor allem auch die dahinterstehenden Bilder: Roma werden kollektiv als laut, aggressiv, schmutzig, kriminell oder bedrohlich dargestellt. Genau solche Narrative dienten historisch immer wieder dazu, Ausgrenzung und staatliche Maßnahmen gegen Roma und Sinti zu legitimieren. Auch – und insbesondere – der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma Europas. Noch Jahrzehnte nach dem Krieg wurde der Genozid so als selbstverschuldet relativiert.

Wenn solche Aussagen heute über offizielle Kanäle von Bürgermeister:innen oder Behörden verbreitet werden, verleiht das rassistischen Ressentiments gegen Roma und Sinti zusätzliche Legitimation – Bürger:innen fühlen sich berechtigt und sicher, öffentlich zu hetzen. Wohin öffentliche Hetze gegen Roma im Extremfall führen kann, zeigte sich etwa bei dem Pogrom von Rostock-Lichtenhagen 1992.

Gerade öffentliche Stellen tragen eine besondere Verantwortung, deeskalierend und rechtsstaatlich zu handeln. Stattdessen wurde im Eichsfeld früh eine Stimmung erzeugt, die offenbar einzig auf Vorurteilen statt auf tatsächlichen Ereignissen beruhte.

Roma und Sinti gehören bis heute zu den am stärksten diskriminierten Gruppen in Deutschland und Europa. Antiziganismus zeigt sich nicht nur in offenen Beleidigungen, sondern gerade auch in subtilen Mechanismen der Verdächtigung, Skandalisierung und öffentlichen Stimmungsmache. Fälle wie im Eichsfeld zeigen, wie schnell solche Muster weiterhin aktiviert werden können.

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