
Am 13. Juni gedenken kosovarische Roma in der Diaspora der Vertreibung aus dem Kosovo im Jahr 1999. Ab dem 13. Juni 1999, wenige Tage nach dem Ende des Krieges gegen Jugoslawien und dem Abzug der jugoslawischen Armee infolge des Einsatzes der NATO, begann die systematische Vertreibung der Roma durch Kosovo-Albaner:innen.
Roma sowie andere mit ihnen assoziierte Gruppen wurden verschleppt, gefoltert und ermordet. Bis heute gelten Hunderte Menschen als verschwunden. Angehörige wissen vielerorts noch immer nicht, wo sich die sterblichen Überreste ihrer Familienmitglieder befinden. Unzählige Frauen und Mädchen wurden Opfer sexualisierter Gewalt. Innerhalb kürzester Zeit wurde nahezu die gesamte Roma-Community des Kosovo – etwa 150.000 Menschen – aus ihren Häusern vertrieben. Häuser und Wohnungen wurden geplündert, niedergebrannt oder besetzt.
Tausende Roma wurden zu Binnenvertriebenen. Viele flohen nach Serbien oder in andere Teile Jugoslawiens. Doch nicht alle konnten die Grenzen passieren. Menschen wurden teilweise zurückgedrängt oder festgesetzt. Hunderte Roma brachte die UN in provisorischen Lagern in Nord-Mitrovica unter – auf hochgradig mit Blei kontaminiertem Gelände nahe einer Bleischmelzanlage. Viele Menschen lebten dort jahrelang unter lebensgefährlichen Bedingungen. Kinder wurden mit irreparablen Hirnschäden geboren. Manche, vor allem Kinder, starben an den Folgen der Vergiftung.
Heute lebt der größte Teil der kosovarischen Roma-Community in der Diaspora. Für sie gibt es keinen Ort mehr, an den sie sicher zurückkehren könnten.
Der 13. Juni erinnert an ein Kapitel europäischer Geschichte, das bis heute kein Teil der öffentlichen Erinnerungskultur geworden ist. Während die Gewalt gegen Roma nach dem Krieg international weitgehend ignoriert blieb, warten viele Angehörige der Opfer bis heute auf Anerkennung, Wahrheit und Gerechtigkeit.
Urteil gegen Hashim Thaçi verschoben
Auch juristisch ist die Aufarbeitung der Verbrechen noch nicht abgeschlossen. Derzeit wartet die Öffentlichkeit auf das Urteil gegen vier ehemalige führende Vertreter der UÇK vor den Kosovo Specialist Chambers in Den Haag, darunter den ehemaligen Präsidenten Hashim Thaçi. Ihnen werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit vorgeworfen, darunter die Verantwortung für mehr als 100 Morde Morde, Folter, Verschleppung und Verfolgung politischer Gegner sowie ethnischer Minderheiten wie Roma. Die Anklage fordert 40 Jahre Haft. Angesichts des Alters der Angeklagten, käme dies einer lebenslangen Haftstrafe gleich. Das Urteil wurde kürzlich verschoben.
Zugleich werden die Angeklagten von vielen Kosovo-Albaner:innen weiterhin als nationale Helden verehrt. In Priština und anderen Städten fanden Solidaritätskundgebungen statt, bei denen Unterstützer:innen der Angeklagten deren Freilassung forderten und die Verfahren als Angriff auf ihren „Befreiungskampf“ darstellten.
Für Roma ist dies Ausdruck einer bis heute fehlenden gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit den Verbrechen, die nach dem Krieg gegen sie und andere Gruppen, die nicht der Dominanzgesellschaft angehörten, begangen wurden.
Das Roma Center und die Union des Rroms de l’ex Yougoslavie en Diaspora (URYD) setzen sich gemeinsam mit weiteren Roma-Organisationen in der Diaspora seit Jahren für die Anerkennung des 13. Juni als offiziellen Gedenktag ein.
Die Partnerorganisation des Roma Centers / Roma Antidiscrimination Networks in Frankreich, die URYD, lädt auch in diesem Jahr zur Gedenkveranstaltung am 13. Juni 2026 nach Troyes in Frankreich ein.
Die Veranstaltung ist den ermordeten, vertriebenen und vermissten Roma aus dem Kosovo gewidmet. Sie soll an die Opfer erinnern, das öffentliche Bewusstsein für die Geschichte der kosovarischen Roma stärken und zu gemeinsamen Bemühungen um Anerkennung, Erinnerung und Gerechtigkeit beitragen.
Gedenkveranstaltung der URYD am 13. Juni 2026
Wann: von 9:00 bis 12:00
Wo: Maison des Associations, Amphithéâtre, 63 Avenue Pasteur, 10000 Troyes, Frankreich





