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Roma in Rumänien. 500 Jahre Sklaverei

 

Roma in Rumänien. 500 Jahre Sklaverei

Ein recht unbekanntes Kapitel der Geschichte ist die Versklavung von Roma in Rumänien. Die ersten Erwähnungen von Roma als Sklaven in diesem Gebiet gehen auf das 13./14. Jahrhundert zurück. Ein Ende nahm die Sklaverei gegen Mitte des 19. Jahrhunderts.

Es gibt verschiedene Annahmen, wie die ersten Roma nach Rumänien kamen und ob sie davor frei oder bereits versklavt waren. Manche nehmen an, die ersten Roma seien während des Mongolensturms 1241 nach Rumänien gekommen, wobei die Rumänen die Roma von den Mongolen als Sklaven übernommen hätten. Auch besteht die Möglichkeit, dass es sich bei den Sklaven um Menschen handelte, die während Kriegen gefangen genommen und dann versklavt wurden, was eine in der Zeit in Osteuropa generell häufige Praxis war. Die meisten Roma kamen jedoch erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts in das Gebiet, und die Sklaverei verbreitete sich zu dieser Zeit erheblich.

Gehalten wurden Sklaven sowohl vom Staat/ der Krone als auch vom Adel (Bojaren) und Klöstern. Sie wurden als Schmiede eingesetzt, in der Goldwäscherei und in der Landwirtschaft. Andere arbeiteten als Siebmacher, Musiker oder Kutscher, als Dienstboten oder Köche. Besonders Frauen mussten häufig im Haushalt arbeiten.

Sklaven, die in der Landwirtschaft arbeiteten, lebten meistens in Hütten am Rand der Güter und wurden selten von ihren Besitzern besucht. Dieser hatte aber das Recht, seine Sklaven zu bestrafen (z.B. durch Körperstrafen oder Einsperren), sie zu tauschen oder zu verkaufen. Getauscht wurden sie auch gegen Tiere. Im allgemeinen hatten die Sklaven weniger Rechte als andere Menschen in Rumänien. Eigentlich war ihr einziges Recht das auf Leben. Jedoch gibt es Aufzeichnungen, denen zufolge Sklavenbesitzer für einen Mord an einem Rom nicht bestraft wurden. Faktisch war dieses Recht also auch nicht immer gewährt. Sklaven flüchteten häufig in die Berge oder andere Länder, um frei zu sein. Ihre Besitzer schickten ihnen dann Suchtrupps nach, um sie zurückzuholen.

Sklaven durften nur mit Einwilligung ihrer Besitzer heiraten – meistens regelten diese das, indem einer der beiden Heiratswilligen an den anderen Besitzer verkauft oder eingetauscht wurde, damit das Paar zusammen sein konnte. Wenn sich die Besitzer nicht einigen konnten, wurde das Paar getrennt und ihre Kinder unter den beiden Besitzern aufgeteilt. Obwohl die orthodoxe Kirche es im 18. Jahrhundert als ungehörig deklarierte, Paare zu trennen, wurde es dennoch bis ins 19. Jahrhundert hinein praktiziert.

Die Heirat zwischen einem freien Menschen und einem versklavten war zeitweise an manchen Orten verboten. Wo sie vorkam, wurde es zunächst so geregelt, dass der freie Mensch zum Sklaven wurde, wenn er eine_n Sklav_in heiratete. In späterer Zeit konnte er seine Freiheit behalten, und auch die Kinder des Paares waren frei. Während solche Ehen selten waren, kam es jedoch sehr häufig vor, dass Sklavenhalter außereheliche Beziehungen zu Sklavinnen hatten oder sie vergewaltigten. Kinder, die daraus hervor gingen, hatten den Status von Sklaven.

Ökonomisch spielten Roma als Sklaven eine wichtige Rolle. Sie waren billige Arbeitskräfte, und ihre Besitzer konnten sich an ihnen bereichern. Außerdem war sein Ansehen abhängig von der Anzahl an Sklaven, die er hatte, und deren Fähigkeiten. Auch der Staat profitierte von den Sklaven, da sie ihm Abgaben zahlen mussten. Die Kronsklaven durften zwar ihren nomadischen Lebensstil pflegen, jedoch kontrollierten die Obrigkeiten ihre Reisewege. Generell ging es ihnen jedoch besser als denjenigen, die für Bojaren oder Klöster arbeiten mussten.

Die wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen, welche die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert hervorbrachte, machte das Halten von Sklaven eher zu einer Bürde als einem Vorteil. Gleichzeitig kam liberales Gedankengut, das die Abschaffung der Sklaverei forderte, aus Westeuropa nach Rumänien. Auch die Bewegung für die Abschaffung der Sklaverei in den USA hatte Einfluss auf die rumänische Gesellschaft. Einige liberal eingestellte Rumänen entließen ihre Sklaven schließlich in die Freiheit. Auf gesetzlicher Ebene wurden die ersten Sklaven 1843 befreit. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Sklaverei schließlich überall in den rumänischen Gebieten abgeschafft. Zu welchen Bedingungen das geschah, war unterschiedlich. So erhielten in manchen Gebieten, die Sklavenhalter eine Entschädigung für den Verlust ihrer Sklaven, in anderen nicht. 1864 war die Sklaverei in Rumänien offiziell abgeschafft.

Die Integration der ehemaligen Sklav_innen in die Gesellschaft erfolgte nur teilweise, da sie den lokalen Obrigkeiten oblag und von deren Maßnahmen abhing. Viele Roma blieben zudem auch nach der Befreiung abhängig von Gutsbesitzern und Obrigkeiten. Sie zogen daher in die Städte, gingen einem Wandergewerbe nach oder wanderten nach Westeuropa oder in die USA aus.

Bis heute wird die Sklaverei der Roma in Rumänien kaum in rumänischen Schulbüchern erwähnt, und erst 2011 wurde der 20. Februar zum Gedenktag der Befreiung der Roma aus der Sklaverei ernannt.

Die Schauspielerin Alina Șerban hat über diese Geschichte ein Theaterstück geschrieben.

Lesen Sie mehr zu dem Thema auf Wikipedia, 2august.eu, varromskahistoria und euractiv.com.

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