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Welt-Roma-Kongress: Diskussion mit Tochter von Dani Karavan (1930-2021) über seine Wünsche fürs Mahnmal

Am 10. April 2021, dem dritten Tag des Welt-Roma-Kongresses, fand eine Diskussion zur Situation des zentralen Mahnmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas und seine internationale Bedeutung statt. Die Deutsche Bahn und die Stadt Berlin möchten unter dem Mahnmal eine neue S-Bahn-Trasse bauen. Dieses Vorhaben wird das Denkmal so, wie es jetzt ist, beschädigen. An der Diskussion nahm Noa Karavan teil. Sie ist die Tochter des am 29. Mai 2021 verstorbenen Künstlers des Mahnmals, Dani Karavan. Beide sind starke Verbündete für den Erhalt des Mahnmals in seiner jetzigen Form.

Da Dani Karavan aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte, sprach Noa Karavan über die Entstehung des Mahnmals. Die Familie hat selbst viele Mitglieder  Konzentrationslagern verloren. Als Jude fühlte sich Dani Karavan dem Schicksal der Roma sehr verbunden und war sehr geehrt, das Mahnmal für Sinti und Roma erschaffen zu dürfen. Wie Noa Karavan betont, schuf ihr Vater das Kunstwerk so, dass es mit dem Ort zusammenpasst. Das Kunstwerk liegt mitten im  Berliner Tiergarten, im Zentrum der Stadt und dem Regierungsviertel. Durch die Bäume, die das Mahnmal umgeben, ist es vor Lärm geschützt und abgeschieden. Diese Lage hat Dani Karavan die Ideen für sein Kunstwerk gegeben. Die Blume in der Mitte des Wasserbeckens ist das Herzstück des Mahnmals. Das Denkmal ist ein symbolischer Grabstein für die Hunderttausenden Roma, die von den Deutschen ermordet wurden und kein Grab haben. Die Blume wird jeden Tag ausgetauscht und ist wie der Herzschlag des Mahnmals. Sie macht den Ort lebendig.

Dani Karavan hatte viele Schwierigkeiten beim Bau des Denkmals und erlitt in dieser Zeit einen Herzinfarkt. Erst Mitte letzten Jahres hat er erfahren, dass die Bahn einen Bau plant, der das Mahnmal gefährdet. Er hat sofort öffentlich erklärt, dass er Widerstand leisten wird. Er würde das Denkmal notfalls mit seinem Körper schützen.

Für den Kongress war es wichtig, die internationale Bedeutung des Denkmals zu betonen. Er ist Ort des Gedenkens für alle Roma. Neben Noa Karavan nahmen daher Tanja Vasić, Psychologin sowie Vorsitzende der Manjinska Inicijativa aus Serbien und Österreich, und Hamze Bytyci, Vorsitzender von RomaTrial teil.

Die Teilnehmenden diskutieren über Strategien zum Protest und Widerstand gegen die Zerstörung des Denkmals. Ein Problem ist, dass die migrantischen Roma von den Gesprächen mit der politischen Ebene nach wie vor ausgeschlossen sind. Alle drei stimmen überein, dass der Protest nicht nur in Deutschland stattfinden darf. Das Mahnmal muss genauso beschützt werden, wie die Mahnmäler für andere Opfer des Nationalsozialismus.

Der bedeutende Künstler und Architekt, Dani Karavan, starb am 29. Mai 2021 im Alter von 90 Jahren in Tel Aviv.

Mehr zur Gefährdung des Mahnmals und dem Protest dagegen:

Zum Tod und Werk von Dani Karavan:

https://www.sueddeutsche.de/kultur/dani-karavan-nachruf-bildhauerei-1.5308230

https://www.tagesschau.de/kultur/karavan-bildhauer-tod-101.html

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